Cigarren M. Niemeyer

Die Kulturgeschichte des Tabaks ist eng an die des Kolonialismus gekoppelt. Dies wird auch deutlich, wenn wir einen Blick auf die Homepage des 1864 gegründeten Bremer Unternehmens „M. Niemeyer Cigarren“ werfen. Dort wird die „mehr als 300-jährige Tabaktradition“ der Stadt Bremen direkt mit der Geschichte des Tabakfabrikanten in Verbindung gebracht.

Ein Blick in die Firmenchronologie ist ebenfalls aufschlussreich: Während für das Jahr 1887 noch von einem „florierenden Unternehmen“ die Rede ist, folgen nach 1914 „Erschütterungen und Filialschließungen“. Keineswegs ein Zufall: Die deutsche Kolonialherrschaft, die in den 1880er Jahren auf einem Höhepunkt war, verlor im Ersten Weltkrieg massiv an Einfluss.

Die Schüttingstraße in Oldenburg, links die Filiale von Niemeyer, ca. 1920er Jahre
© Stadtmuseum Oldenburg

Nach Europa kam Tabak infolge der europäischen Invasion des amerikanischen Kontinents im Jahr 1492 durch Columbus. Wie auch Tee, Zuckerrohr, Baumwolle und Kakao wurde es bis in die 1970er Jahre in sogenannten Kolonialwarenläden verkauft. Eine intensive Aufarbeitung des jahrhundertelangen kolonialen Ressourcenraubs findet nur schleppend statt.

Anhand der Schaufensterfiguren der Oldenburger Filiale wird der kolonialrassistische Charakter des Tabakhandels deutlich: Drei Schwarze, exotisiert gestaltete Personen, mit überzeichneten physiognomischen Merkmalen und als „fremdartig“ inszenierter Kleidung bewerben die Waren, indem sie einer weißen Käufer:innenschaft symbolisch Zigarren und Feuer anbieten.

Derartige Figuren, die nicht-weiße Personen in einer untergebenen Funktion abbilden, werden bis heute zu Werbezwecken genutzt – sei es für Tabak, Schokolade oder in Reisebüros, wo sie ferne Urlaubsziele kolonialromantisch anpreisen. Dabei sollen die Figuren nicht nur die „Exotik“ des Konsumguts verkörpern, sondern auch eine Hierarchie manifestieren: Durch die regelmäßige Darstellung als Bedienstete werden BIPoCs im sozialen Gefüge weißer Mehrheitsgesellschaften systematisch degradiert.

Der Kernaspekt dieser Propaganda ist die Annahme „rassischer“ Unterlegenheit, die durch die scheinbar harmlosen Figuren in das kollektive Bewusstsein transportiert und als Tatsache verankert werden soll.